bauteilnetz Deutschland
... Mit steigendem Anforderungsniveau an die energetischen Eigenschaften von Gebäuden ist eine ausschließliche Fokussierung auf die Energieeinsparung während der Betriebsphase nicht mehr zielführend ...
Dipl. Ing. Barbara Ettinger-Brinckmann
... Der Zustand des Klimas, der Umwelt und der erschöpflichen Ressourcen verlangt von uns ein Umdenken ...
Prof. Dr. Dr. h.c. Ernst Ulrich von Weizsäcker
... die Wiederverwendung von gebrauchten Bauteilen. Das bauteilnetz Deutschland leistet hier einen wichtigen Beitrag ...
Prof. Dr. Maximilian Gege
... freuen uns, dass das bauteilnetz Deutschland nachhaltige Impulse setzt, um möglichst viele geeignete Bauteile in den Kreislauf der Bauwirtschaft zurückzuführen und damit die Umwelt zu entlasten ...
Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde
 

Besondere Auszeichnung für übertragbares Neubau-Konzept

Neubau der Stadtwerke Neustadt punktet mit seinem Materialkonzept Das gesamtplanerische Konzept der Stadtwerke Neustadt in Holstein hat die Jury des Ideenwettbewerbs EnEff.Gebäude.2050 überzeugt. Das Besondere: Lebenscyklusbetrachtungen, Wiederverwendung von Bauteilen und Recyclingbaustoffen in einem öffentlichen Neubau.

Vom Counter Entrophy House zum Verwaltungsneubau

Das Gesamtprojekt wurde nun im Dez. 2017 im Rahmen eines Ideen-Wettbewerbs EnEff.Gebäude.2050 Ideen für zukunftsweisende Gebäude vom PTJ Projektträger Jülich, gefördert vom BMWI, ausgezeichnet. Besonders hervorgehoben wurden von Klaus Töpfer in seiner Laudatio, neben der städtebaulichen und energieeffizienten Planung der cradle to cradle Ansatz und die umfassende Materialkonzeption. Jahrelange Erfahrungen im Bereich der Wiederverwendung von Baumaterial und die Begleitung und die Anregungen des Solar Decathlon Wettbewerbs 2012 mit dem Modellprojekt "Entrophy House", haben dazu geführt, dass für den Neubau der Stadtwerke Neustadt ein grundlegendes Konzept zur Integration von wiederverwendbaren Bauteilen und Recyclingbaustoffen und die damit verbundenen Auswirkungen auf den Planungsprozess maßgeblich von der Architektin Ute Dechantsreiter formuliert werden konnten. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert dieses Vorhaben in 2 Phasen. In der ersten Phase wurden Ansätze zum Wiedereinsatz von Baumaterial praktisch, mit der Unterstützung von Netzwerkpartnern (u.a. Abbruchverband Nord e.V.) des Bundesverbandes bauteilnetz Deutschland e.V. eingeleitet und aus Abbruch Bauteile geborgen. Die Fassade aus aufgesägten alten Eichenbalken zu generieren ist ebenfalls eine norddeutsche Idee, die der historische Baustoffhändler Gert Bose in Martfeld schon einmal am Gebäude des Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. in Güstrow, umgesetzt hat.
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Neues Verwaltungsgebäude mit alten Materialien bestückt

Das Besondere: Die Lebenszyklusphasen eines Gebäudes von der Gewinnung der Rohstoffe bis zur Wiederverwendung bzw. Recycling sollen im Modellvorhaben Neubau eines Verwaltungsgebäudes der Stadtwerke Neustadt, geplant als Passivhaus, unter dem Aspekt der Ressourcen- und Energieeffizienz von einem interdisziplinären Team untersucht werden. Außerdem sollen die Möglichkeiten des nachhaltigen Konstruierens vom Tragwerk bis zur Materialauswahl, inklusive der Wiederverwendung von Bauteilen, als Ersatz für neu produzierte Bauteile geprüft und dokumentiert werden. Die Herausforderung liegt darin alle materialspezifischen Anforderungen beim Wiedereinsatz gebrauchter Bauteile zu erfüllen bzw. die Grenzen auszuloten. Möglich wird dies durch die Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.

Lebenszyklus-Betrachtungen

Die Materialien, die in dem Neubau zum Einsatz kommen, sollen einer Lebenszyklus-Betrachtung unterzogen werden. Es wurde der Anspruch formuliert, dass hier ein möglichst geringer Energieeinsatz (Graue Energie) für die Herstellung, Wartung (Nutzungszeit) und Entsorgung benötigt wird. Geplant ist eine Materialkombination aus geeigneten gut erhaltenen, gebrauchten Bauteilen und ebensolchen Recyclingbaustoffen und -produkten wie z.B. RC-Beton in Kombination mit Baumaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen einzusetzen. Um eine spätere sortenreine Trennung der Materialien zu gewährleisten, werden außerdem die bestehenden üblichen konstruktiven Verbindungen und Abdichtungsmethoden auf ihre Lösbarkeit untersucht. Das Ziel ist neben einem C02 Fußabdruck für das Gebäude einen Zero Waste Standard anzustreben und diesen zu beschreiben. In welchem Umfang dieses tatsächlich umgesetzt werden konnte wird der Ergebnisbericht (ca. Ende 2019) aufzeigen. Der Bericht zum Abschluss der ersten Phase (Jan.2017) und die Liste aller Projektbeteiligten ist abrufbar.

Baufortschritt verfolgen

Die Stadtwerke Neustadt haben einen BLOG eingerichtet. Hier können sie das Bauwerk entstehen sehen.

Hintergrund: Counter Entrophy House

Solar Decathlon Europe 2012 - Team RWTH Aachen University
Das interdisziplinäres Team der RWTH Aachen für Teilnahme am Wettbewerb Solar Decathlon 2012 in Madrid nominiert. Unter dem Motto Re-think. Re-use. We build hat das Studententeam ein 46 Quadratmeter großes Solarhaus entwickelt und gebaut, das nicht nur hohen architektonischen und technischen Ansprüchen gerecht wird, sondern auch durch die Grundidee der konsequente Wiederverwendung und stoffliche Verwertung eingesetzter Materialien, die Stoffkreisläufe beim Bauen mit einbezieht. Das counter entrophy house wurde in Module zerlegbar geplant, so dass es nach Madrid (und zurück) transportiert und dort innerhalb von zwei Wochen wieder aufgebaut werden konnte. Der Endbestimmungsstandort für das Bauwerk ist das Forschungszentrum Jülich, hier wurde es 2014/2015 zum dritten Mal wieder aufgebaut. Es wird auf dem Gelände weiter als Anschauungsobjekt für energieeffizientes Bauen genutzt.
Kontakt: M.Sc.Anja Zens, Projektleitung Counter Entrophy House, RWTH Aachen, Lehrstuhl für Computergestütztes Planen in der Architektur (CAAD)